Hinweise:
1. Die LSI.J-Sprachtest-App steht kostenfrei zur Verfügung. Informationen dazu finden Sie unter: LSI.J-Sprachtest-App.
2. Der Forschungsverbund aus dem Projekt DINKO besteht fort, aktuell ehrenamtlich.
Gutes, effizientes Sprachverstehen ist in der Kindheit und Jugend besonders wichtig, denn lautsprachlich aufwachsende Kinder bauen über das Hören ihr Sprachsystem auf, und in der Schule ist Sprache das Transfer-Medium Nummer 1. Das bedeutet, dass sich Einschränkungen des Hörverstehens u. a. auf den Spracherwerb und das Lernen auswirken können. Es ist also wichtig, Probleme des (Hör-)Sprachverstehens zu erkennen, anderenfalls können schulische und später berufliche Schwierigkeiten die Folge sein.
Für die Diagnostik sprachlicher Fähigkeiten bei Kindern bis 10 Jahre gibt es inzwischen recht viele Verfahren. Auch die Hörverarbeitung und -wahrnehmung von Kindern kann mit normierten Verfahren beschrieben werden. Doch zur Beschreibung des auditiven Sprachverstehens von älteren Kindern und Jugendlichen gibt es kaum normierte Diagnostikinstrumente – hier klafft eine große diagnostische Lücke.
Im Projekt LSI.J (Leipziger Sprach-Instrumentarium Jugend, in Kooperation mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Universität Leipzig) wurde in den Jahren 2016-19 ein Sprachtest-Tablet entwickelt, um diese diagnostische Lücke zu verkleinern. Die 10 kurzen Testverfahren des LSI.J zur Ermittlung des Sprachverstehens von Jugendlichen auf den wichtigsten vier Sprachebenen wurden für die Altersspanne von 14-22 Jahren normiert.
Seit Januar 2022 geht es im Folgeprojekt DINKO (Niedrigschwellige Profil-Diagnostik in inklusiven Kontexten mit dem LSI.J-Sprachtest-Tablet) vor allem darum, zu prüfen, wie das Sprachtest-Tablet in möglichst vielen Bereichen eingesetzt werden kann. Darüber hinaus soll ermittelt werden, inwiefern Jugendliche mit Besonderheiten in den Bereichen zentrale Hörverarbeitung, Sprache, Aufmerksamkeit bzw. aus dem autistischen Spektrum spezifische Muster in ihren LSI.J-Sprachprofilen aufweisen. Nicht zuletzt sollen Normdaten für 11-13-Jährige erhoben werden.
Das Projekt DINKO besteht aus zwei Teil-Studien:
In der Implementierungsstudie steht die Einsetzbarkeit und Nutzung des Sprachtest-Tablets durch verschiedene Anwender*innen im Fokus (z.B. in Regelschulen, logopädischen Praxen, Arbeitsagenturen). In der Validierungsstudie soll durch eine gezielte Erweiterung der Normierungs-Stichprobe auf Proband*innen mit ausgewählten Entwicklungsbesonderheiten (AVWS, SES, ADHS, ASS) geprüft werden, inwieweit die LSI.J-Testverfahren zur Erfassung spezifischer Störungsprofile geeignet sind.
Die wissenschaftlichen Fragestellungen lauten:
- Was sind die Gelingensbedingungen und Potenziale für eine niedrigschwellige, förderbezogene Diagnostik mit dem LSI.J-Sprachtest-Tablet in nicht primär förderpädagogisch angelegten Bildungskontexten?
- Kann man durch eine Erweiterung der wissenschaftlichen Datenbasis mit dem LSI.J-Sprachtest-Tablet zuverlässig valide Hinweise auf die Hintergründe von sprachlichen Einschränkungen im Jugendalter ermitteln und damit die individuelle Förderung und Gestaltung des Lernkontextes der Jugendlichen verbessern?
DINKO hat drei Hauptphasen:
Phase 1 (2022): Vorbereitung der Implementierungsstudie und der Validierungsstudie, Entwicklung des Schulungskonzepts und der Schulungsmaterialien
Phase 2 (2023): Durchführung der Implementierungsstudie und der Validierungsstudie
Phase 3 (2024): Anpassung des Implementierungskonzept basierend auf den Ergebnissen der Implementierungsstudie, Datenanalyse und Schlussfolgerungen aus Validierungsstudie
Die Implementierungsstudie hat die LSI.J-App noch einmal deutlich intuitiver gemacht. Die Rückmeldungen aus der Praxis zeigen, dass die App tatsächlich niedrigschwellig ist und wenig Einarbeitung benötigt.
Die Auswertung auf dem Tablet ist nun ausgereift. Man kann wählen, ob man eher einen Überblick über die Testergebnisse haben möchte oder ob ein eher qualitativer Blick gewünscht ist. In letzterem Fall kann man die Reaktionen einer getesteten Person bis auf die Item-Ebene anschauen.
In der Validierungsstudie haben wir in über 1.000 Test-Stunden Daten von 343 Proband*innen erhoben. Die Auswertung der Test-Verfahren (Rohwerte ermitteln usw.) und die Sicherung der Datenqualität beim Zusammenführen aller Daten dauerte über 400 Stunden.
Die Auswertung der Daten wird uns noch eine Weile beschäftigen. Aktuell präsentieren und diskutieren wir die Ergebnisse vor allem auf Konferenzen, z.B. auf dem DGS-Kongress 2026 in Oldenburg:
Vera Oelze | Bettina Scheithauer | Vivien Schütz | Susanne Wagner | Marat lagudin | Daniele Pino | Christian W. Glück | Ruth Kessler (2026). Das Leipziger Sprachinstrumentarium lugend (LSLJ) — Ergebnisse aus der Normierungs- und Validierungsstudie.
Das DINKO-Team
Das DINKO-Team
An dem Verbundprojekt sind neben dem Berufsbildungswerk Leipzig die Universität Leipzig und die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg beteiligt.
Mitarbeiterinnen am BBW Leipzig:
- Dr. Susanne Wagner (Leitung Verbundpartner BBW Leipzig)
- Vivien Schütz (Projektmitarbeiterin)
Mitarbeiter*innen an der Universität Leipzig, Institut für Förderpädagogik, Professur für Pädagogik im Förderschwerpunkt Sprache und Kommunikation:
- Prof. Dr. Christian Glück (Leitung Verbundpartner Universität Leipzig)
- Dr. Ruth Keßler (Data Scientist)
- Marat Iagudin (Software-Entwickler)
- beratend: Dr. Carina D. Krause
Mitarbeiter*innen an der Universität Leipzig, Medizinische Fakultät, Sektion Phoniatrie und Audiologie:
- Prof. Dr. Michael Fuchs (Co-Leitung Verbundpartner Uni Leipzig)
- Dr. Danièle Pino (wiss. Mitarbeiterin)
Mitarbeiter*innen an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Rehabilitationspädagogik, FR Sprachbehindertenpädagogik:
- Dr. Vera Oelze (Leitung Verbundpartner Uni Halle)
- Bettina Scheithauer (wiss. Mitarbeiterin)
- Corinna Bliedtner-Ziegenhagen (wiss. Mitarbeiterin)