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09.09.2016

Lehrlingsrat übergibt Aktionsplan an Ministerium

Das Berufsbildungswerk Leipzig begrüßte heute Dr. Rolf Schmachtenberg, Leiter der Abteilung „Teilhabe, Belange behinderter Menschen, Soziale Entschädigung, Sozialhilfe“ aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) sowie Frau Dr. Katja Robinson, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke BAG BBW. Nach einem kurzen Rundgang durch die Ausbildungswerkstätten, in denen hör- und sprachgeschädigte junge Menschen in über 30 Berufen ausgebildet werden, traf der Politiker den Lehrlingsrat. 12 Interessenvertreter wählen die knapp 500 Schüler und Auszubildenden im BBW Leipzig auf 2 Jahre.

Der Lehrlingsrat spielt ebenso im Rahmen des gerade vom BBW Leipzig veröffentlichten Aktionsplans zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) eine wichtige Rolle. Eines von drei darin beschriebenen Handlungsfeldern ist Beteiligung der Auszubildenden an Entscheidungen und Rahmenbedingungen. In der UN-BRK geht es schließlich um gleiche Rechte, gleiche Chancen und Selbstbestimmung.

Hier gäbe es noch viel zu tun, so der Lehrlingsrat und forderte eine Steigerung des Ausbildungsgeldes wie es in betrieblichen Ausbildungen üblich ist. Ebenso wollen sie in betrieblichen Praktika nicht geschont und mehr gefordert werden – eben wie jeder andere auch. Und speziell Menschen mit Hörbehinderung seien immer noch von einem Großteil der Informationen ausgeschlossen. Zu wenig Untertitelung und zu wenig Gebärdensprachdolmetscher in allen Lebensbereichen.

Schmachtenberg nahm die Anregungen auf und lobte die Entwicklung in Berufsbildungswerken, zum Beispiel das Modell der „Verzahnten Ausbildung mit Berufsbildungswerken“ für Betriebe mit sofortiger Wirtschaftsnähe für Auszubildende. Außerdem wolle man das Studium von Gebärdensprachdolmetschern stärker fördern, um mehr Dolmetscher verfügbar zu haben. Ebenso werden (Amts)Bescheide bald verpflichtend auch in einfacher Sprache sein.

Im Anschluss übergab der Lehrlingsrat gemeinsam mit dem Beauftragten zur Umsetzung des Aktionsplans im BBW Leipzig, Dr. Ronny Valdorf, das gerade veröffentlichte Heft.

Der Besuch des Ministerialdirektors endete mit einem Gespräch mit zwei unbegleiteten 17-jährigen Flüchtlingen, die auf dem BBW-Gelände in Jugendwohngruppen leben und in der Berufsschule des BBW die sogenannten Vorbereitungsklassen mit berufspraktischen Aspekten (VKA) besuchen. Ein Jugendlicher aus Bangladesch lernt mit Deutsch seine sechste Sprache, möchte Koch werden. Ein junger Afghane ist mit seinem jüngeren Bruder geflüchtet, wohnt mit ihm zusammen. Er möchte eine Ausbildung im Metallbereich machen.

„Eine abgeschlossene Ausbildung ist die beste Grundlage für die Teilhabe am Arbeitsmarkt und damit auch an unserer Gesellschaft. Das gilt für uns für einen Jugendlichen der gehörlos ist genauso wie für einen Jugendlichen Flüchtling, der Deutsch lernen muss und ebenfalls Unterstützung im Umfeld benötigt“, so BBW-Hauptgeschäftsführer Tobias Schmidt. „Wir kämpfen da um jeden einzelnen geflüchteten Jugendlichen, auch wenn sich mit dem 18. Lebensjahr Fürsorge, Maßnahmen und Zuständigkeiten nochmal ändern“, so Schmidt. Als diakonisches Haus zähle der Mensch, nicht Alter, Herkunft oder Behinderung.