1. Leipziger AVWS-Fachtag
AVWS — ein bisher wenig erforschtes Störungsbild
150 Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz — darunter Förderlehrer, Reha-Berater, Sprachtherapeuten und Logopäden kamen am 9. Juni 2010 zum 1. Leipziger AVWS-Fachtag ins BBW Leipzig. Das Hauptreferat hielt Frau Dr. Alexandra Ludwig von der Universität Leipzig, die erst kürzlich für ihre Forschungen den Preis der GEERS-Stiftung erhielt. Neben der Diagnostik ging es in weiteren Impulsreferaten und anschließenden Workshops u. a. um die Förderung von Kindern in Hörgeschädigtenschulen und in der Integration und um die Erfahrungen des BBW Leipzig im Umgang mit Auditiver Verarbeitungs– und Wahrnehmungsstörung in der Berufsausbildung.
Zitate aus dem Fachtag:
Im deutschen und angloamerikanischen Sprachraum gibt es keinen Standardtest für die Diagnostik von AVWS. (Dr. Alexandra Ludwig, Neurobiologin an der Sektion für Phoniatrie und Audiologie des Universitätsklinikums Leipzig)
Nonverbale Testung sollte in die klinische Diagnostik mit aufgenommen werden, denn im Moment werden Kinder, bei denen die klinische Diagnostik keine AVWS anzeigt, ohne Therapiemöglichkeiten nach Hause geschickt. (Dr. Alexandra Ludwig, Neurobiologin an der Sektion für Phoniatrie und Audiologie des Universitätsklinikums Leipzig)
Über eine zielführende Therapie wissen wir immer noch zu wenig. Aber wir sind gemeinsam auf dem Weg, da sind solche Kongresse wie heute wichtige Meilensteine. (Prof. Dr. med. Michael Fuchs, Leiter der Abteilung Phoniatrie und Audiologie des Universitätsklinikums Leipzig, Facharzt für HNO-Heilkunde, Facharzt für Phoniatrie und Pädaudiologie)
Ein einziger Parameter wie z.B. Raumakustik kann schon ein Kind in der Regelschule scheitern lassen. (Ulrike Girardet, Förderschullehrerin am Förderzentrum Hören München)
Man muss ein individuelles, dem Störungsgrad angemessenes Therapieprogramm anbieten, denn AVWS-Patienten sind eine sehr inhomogene Gruppe. (Juliane Mühlhaus, Dipl. Log. und wiss. Mitarbeiterin am Universitätsklinikum Aachen, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie)
Eltern sind Co-Therapeuten, ihre Motivation ist genauso wichtig wie die des Kindes. (Juliane Mühlhaus, Dipl. Log. und wiss. Mitarbeiterin am Universitätsklinikum Aachen, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie)
Es gibt diese Kinder und wir müssen für diese Kinder Angebote machen. (Maria Wisnet, Förderschulrektorin der Johannes-Vatter-Schule für Hörgeschädigte Friedberg, Vorsitzende des Bundesverbandes der Hörgeschädigtenpädagogen)
Die meisten Schüler könnten in ihrer Umgebung bleiben, wenn einige Bedingungen beachtet werden. (Maria Wisnet, Förderschulrektorin der Johannes-Vatter-Schule für Hörgeschädigte Friedberg, Vorsitzende des Bundesverbandes der Hörgeschädigtenpädagogen)
AVWS wächst sich nicht aus. Daher bleiben die Probleme in Berufsausbildung und Berufsschule. (Tobias Schmidt, Schulleiter der Berufsbildenden Schule der Berufsbildungswerk Leipzig für Hör- und Sprachgeschädigte gGmbH)
Erfahrungen zeigen, dass der Regelberufsschulunterricht ein hohe Herausforderung für AVWS-Schüler darstellt. (Tobias Schmidt, Schulleiter der Berufsbildenden Schule der Berufsbildungswerk Leipzig für Hör- und Sprachgeschädigte gGmbH)
Tagungsunterlagen:
Frau Dr. Alexandra Ludwig
Frau Ulrike Girardet
Frau Juliane Mühlhaus
Frau Maria Wisnet
Herr Tobias Schmidt
Frau Dr. Grit Franke
Frau Andrea Bartel
Links zum Thema:
Programm 1. Leipziger AVWS-Fachtag
vorgestellte Studie von Fr. Dr. Ludwig im Universitäteverlag Leipzig
Broschüre zu Lärm in Bildungsstätten
Der 1. Leipziger AVWS-Fachtag wurde offiziell als Lehrerfortbildung anerkannt vom:
- Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-Anhalt (LISA) unter der Reg.-Nr. WT 2010-012-09 LISA
- Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien unter der Reg.-Nr. ALX-23-147
- Land Brandenburg - Ministerium für Bildung, Jugend und Sport
- Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern
- Sächsischen Staatsminsterium für Kultus und Sport (Befürwortung)
Fortbildungsprogramm Sprachtherapeuten